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Anwendungsbeispiel

Planung und Implantation am zahnlosen Kiefer

Die Implantation am zahnlosen Kiefer gilt als besondere Herausforderung. Mit einer umfassenden Planung ist sie zu bewältigen – und bietet sogar enorme Vorteile.

Bohrschablone für den zahnlosen Kiefer mit Bohrhülsen und seitlichen PIN-Hülsen

Kurz gesagt

Die vorhandenen Prothesen werden mit Röntgenkugeln versehen und können so als Planungsgrundlage dienen. Röntgenbild und Scan lassen sich damit präzise zusammenführen, und die Implantate können am Knochenangebot und zugleich am Zahnkranz ausgerichtet werden.

Der beste Weg: die bestehende Prothese

Die Röntgenkugeln werden direkt an der bestehenden Prothese befestigt. Die Prothese wird dafür temporär unterfüttert, zum Beispiel mit Impregum.

Die Unterfütterung bildet die Basalfläche – also die Schleimhaut – präzise ab. Das sichert die optimale Position der Bohrschablone, denn im zahnlosen Kiefer gibt es keine weiteren Referenzobjekte.

Duplikatprothesen sind nur sehr selten notwendig.

Mehr zu den Röntgenkugeln

Bestehende Prothese, temporär unterfüttert, mit außen befestigten weißen Röntgenkugeln

Fallbeispiel mit Duplikat

Die Arbeit mit Duplikaten ist selten erforderlich. In den allermeisten Fällen lässt sich derselbe Ablauf mit der bestehenden Prothese des Patienten umsetzen. In diesem Fall enthielten die Prothesen viele Metallteile. Deshalb wurden sie dupliziert.

  1. Röntgenschablone aus den vorhandenen Prothesen

    Am Anfang steht eine Röntgenschablone. Sie kann über eine neue Aufstellung entstehen. Viele Patienten tragen ihre Prothesen aber seit Jahren und sind an deren Aussehen gewöhnt – deshalb ist es sinnvoll, die eigenen Prothesen als Planungsgrundlage zu nehmen.

    In diesem Fall haben wir die Prothesen mit einem Laborscanner digitalisiert (Ober- und Unterseite) und als Duplikat gedruckt.

    Anzuraten ist eine temporäre Unterfütterung der bestehenden Prothesen. Sie gewährleistet, dass die Schleimhaut präzise wiedergegeben wird – und damit den optimalen Sitz der Bohrschablone.

    Links die gescannten Prothesen als 3D-Daten, rechts die gedruckten Duplikatprothesen
  2. Röntgenkugeln anbringen

    An der Außenseite der Prothesen werden sichtbar je drei bis fünf Röntgenkugeln aus röntgenopakem Kunststoff für CT, DVT angebracht. Sie dienen als Referenzobjekte im Röntgenbild.

    Wichtig beim Anbringen

    • Mindestens drei Kugeln sind notwendig; enthält die Prothese Metallteile, empfehlen wir vier oder fünf.
    • Aus Erfahrung empfehlen wir, die Kugeln vestibulär anzubringen. Das erleichtert den Laborscan – besonders im Oberkiefer.
  3. CT/DVT im Schlussbiss, danach scannen

    Wichtig: Die Aufnahme erfolgt mit den Prothesen im Schlussbiss

    Der Schlussbiss gewährleistet, dass die Prothesen während der Aufnahme optimal an der Schleimhaut anliegen.

    Nach dem Röntgen werden die Prothesen mit den Kugeln im Laborscanner digitalisiert.

  4. Kugeln freilegen und Scans ausrichten

    In der Planungssoftware – hier coDiagnostiX™ (Dental Wings) – werden die Kugeln im Röntgenbild freigelegt (segmentiert). Weil sie ebenso klar zu erkennen sind wie Zähne, lassen sich die Oberflächenscans der Prothesen präzise daran ausrichten.

    3D-Ansicht des Kiefers aus dem Röntgenbild mit den freigelegten Röntgenkugeln
    Die im Röntgenbild freigelegten (segmentierten) Kugeln.
    Planungssoftware: die an den Kugeln ausgerichtete Unterkieferprothese, darüber die Schleimhaut des Oberkiefers
    Die an den Kugeln ausgerichtete Unterkieferprothese. Die Oberkieferprothese ist ausgeblendet, sodass die Schleimhaut an ihrer exakten Position zu erkennen ist.
  5. Implantate planen

    Auf Basis der Oberflächenscans werden die Implantate einerseits am Knochenangebot und zusätzlich am Zahnkranz optimal ausgerichtet.

    coDiagnostiX: geplante Implantate im Oberkiefer mit eingeblendeter Prothese
  6. Planung in der Laborsoftware prüfen (optional)

    Dieser Schritt ist nicht zwingend, aber ausgesprochen sinnvoll: Die geplanten Implantatpositionen werden in eine CAD-Laborsoftware übertragen – hier CARES Visual (Straumann). Dort lässt sich der weitere Behandlungsablauf zeitsparend „durchspielen“. Geplant ist für den Oberkiefer eine abnehmbare, gaumenfreie, teleskopierende Versorgung. Die Planung bestätigt die gewählten Implantatpositionen.

    Drei Ansichten der geplanten teleskopierenden Versorgung auf den Implantaten
  7. Bohrschablonen mit sicherem Halt

    Bohrschablonen am zahnlosen Kiefer haben oft nur eine eingeschränkte Auflagefläche auf der Schleimhaut. Im Unterkiefer ist der Kieferknochen häufig stark atrophiert, und durch das Aufklappen der Schleimhaut wird die Auflage noch kleiner. Für einen sicheren Halt tragen diese Bohrschablonen deshalb zusätzliche PIN-Hülsen.

    Zwei Bohrschablonen für den zahnlosen Kiefer mit Bohrhülsen und PIN-Hülsen
  8. Zusätzliche Schablone über den ganzen Kieferkamm (optional)

    Eine weitere Möglichkeit: zusätzlich eine Schablone, die den ganzen Kieferkamm abdeckt wie eine Totalprothese. Dafür bieten sich die Duplikatprothesen an. In der CAD-Software erhalten sie die Bohrhülsen für die Pins. Im Schlussbiss wird so eine stabile Schablonenposition erreicht.

    PIN-Schablonen im Schlussbiss, in der Mitte das Setzen eines Pins im Mund
  9. Lieferung vor der OP

    Die Schablonen werden sterilisiert vor der OP geliefert. Je nach Implantatsystem kann zusätzlich ein chirurgisches Protokoll oder ein OP-Ablaufplan angefertigt werden – je nach Fall auch beides.

    Links die steril verpackten Schablonen, rechts ein chirurgisches Protokoll als Tabelle
    Links die sterilisierten Schablonen, rechts das chirurgische Protokoll.

In freundlicher Zusammenarbeit

Oralchirurgische Gemeinschaftspraxis Lina Michalik und Alexander Richter, Fachzahnärzte für Oralchirurgie

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